Das Pedersen Fahrrad | Über den Erfinder | Der Neubeginn

Der dänische Fahrradhistoriker Finn Wodschow, er war
früher Zöllner, setzte es sich in den Kopf, ein Dursley-
Pedersen für seine historische Fahrradsammlung zu
erwerben. Da von den 150 weltweit verbliebenen Dursleys
die meisten in England zu bekommen sind, musste er
hierfür nach England fahren. Finn hörte von einem Fahr-
radsammler in Südengland, der 5 Dursleys besitzen sollte.
Nach sehr harten Verhandlungen, und nach über einem
Liter guten Malz Whiskeys, war der Deal perfekt und Finn
war stolzer Besitzer eines Dursley-Pedersens.  Er konnte
das Rad aber nicht gleich mitnehmen.


Einige Wochen später rief ein Zollkollege von Finn aus
England an und berichtete ihm, dass soeben ein Mann ein
vollkommen verrostetes Fahrrad über seinen Gartenzaun
gehoben hätte, und sich mit folgenden Worten verab-
schiedete: „Wenn Finn Wodschow hier das nächste Mal
vorbeikommt, dann kann er das Rad mitnehmen.“ Finn
bat seinen Kollegen, das Rad auf die Fähre Harwich-
Esbjerg zu bringen. Er würde dann das Rad in Esbjerg
abholen.

Gesagt - getan. Wie es der Zufall wollte, hatte Finn gerade
zu dieser Zeit (1978) seine erste öffentliche Ausstellung
seiner Fahrradsammlung. Eine Bank erklärte sich bereit,
in jedes seiner 10 Schaufenster ein historisches Fahrrad
zu stellen. Allerdings bestand die Bank darauf, dass auch
das Dursley-Pedersen gezeigt werden sollte. Zuerst
lehnte Finn dieses Ansinnen ab, da das Rad noch komplett
verrostet und unrestauriert war. Die Bank drohte damit
die Ausstellung abzusagen, und so wurde Finn „überredet“
doch das alte Rad von 1909 auszustellen. 


Wenige Tage später kam zufällig ein Mann des Weges,
dessen Blick in eines der Schaufenster fiel. Er staunte
nicht schlecht, erinnerte ihn doch das ausgestellte Dursley
an seine Kindheit. Er betrat die Bank und lies sich die
Adresse von dem Besitzer des Rades geben. 

Danach suchte er Finn im Kopenhagener Vorort Lyngby
auf. Zu diesem Zeitpunkt telefonierte Finn mit dem
englischen Veteran Cycles Club, namentlich mit David
Ewans. Als es an der Tür klingelte erklärte er David, dass
er kurz zur Tür müsse. Als er ans Telefon zurückkehrte,
erzählte Finn David, dass vor der Tür ein Mann steht und
sagt, er wäre der Sohn von Mikael Pedersen. Sein Name
ist Vaugn Jenssen (Mikael Pedersen hatte mehrere
Frauen) und er hätte seine Kindheit in Dursley verbracht.
David riet Finn: „Sofort festbinden - den Kerl. Nicht wieder
gehen lassen. Nach Dokumenten, Briefen, Fotos etc.
ausquetschen“. 

Genau das hat Finn dann gemacht, und weil David Ewans
von Anfang an involviert und von der Geschichte so faszi-
niert war, beschloss er, ein Buch über diesen unglaub-
lichen Mikael Pedersen zu schreiben.

Der Zufall, dass Vaugn Jenssen ausgerechnet an diesem
Tag bei der Bank vorbei kam und das einzige Dursley
Pedersen in Dänemark sah, war natürlich für die Zeitung
ein gefundenes Fressen. Man schrieb einen Artikel über
diese Begebenheit, den auch der junge dänische Schmied
Jesper Sölling las. Jesper rief bei Finn an, und erkundigte
sich, ob es möglich wäre, dieses Rad mal in Augenschein
zu nehmen. Finn willigte ein. Eine Stunde vor dem
Besichtigungstermin rief Jesper noch einmal bei Finn an,
um sich zu erkundigen, ob er noch ein paar Freunde
mitbringen dürfe. Finn hatte nichts dagegen, und so spran-
gen etwas später ungefähr 40 langhaarige Christianiter
aus einem Freak-Bus und machten die gesamte Nach-
barschaft unsicher. Man spricht noch jetzt, 30 Jahre später,
davon.

Jesper hingegen gefiel das Design des Rades so gut, dass
er beschloss, fortan Pedersen Rahmen zu löten. Bisher
war seine Tätigkeit im autonomen Stadtteil Christiania
Fahrradanhänger und Öfen zu bauen. Er zog aus der
„Smedie“ aus und eröffnete 50 Meter weiter seine Rahmen-
bau-Schmiede. Anfangs baute er Pedersen Rahmen für
Freunde und Nachbarn - bis ein Artikel in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung sein Leben komplett veränderte.
Der deutsche Fahrradexperte Hans-Erhard Lessing
schrieb einen Artikel über das Pedersen - und am
nächsten Tag hatte Jesper 100 Aufträge aus Deutschland.
Nun wurde der Zeitvertreib zum Beruf.

Ohne diesem Dursley-Pedersen „Modell Royal“ von 1909,
welches Jesper Sölling das erste Mal bei Finn Wodschow
gesehen hat, würde es keine Pedersen Räder geben.
In fast 30 Jahren lötete er viele Tausend Pedersen
Rahmen, die in die ganze Welt geschickt wurden. Jesper
baute nur Rahmen, keine Fahrräder; das mussten viele
Kunden bzw. die Händler selber machen.

Fünf Jahre später, im Jahr 1983 eröffnete Kalle Kalkhoff
in Oldenburg, zusammen mit einigen Freunden, den
Fahrradladen „Die Speiche“. Drei Jahre vorher wurde ihm
aufgrund eines Zugunfalls ein Bein amputiert. Die verschie-
densten Sättel wurden ausprobiert, aber kein Sattel war
flexibel genug, um komfortabel Rad zu fahren. Dann
empfahl ein Hamburger Fahrradhändler Kalle einen
Pedersen Rahmen nebst Hängemattensattel. Endlich
konnte er wieder schmerzfrei Radfahren - und er war dem
Pedersen verfallen. 

Anfang der 90er Jahre erwarben Gaby und Kalle Kalkhoff
die Sammlung historischer Fahrräder von Finn Wodschow.
Eins der Räder war natürlich das Dursley-Pedersen (das
einzige in Dänemark). An einem Sonntagmorgen wurde das
Rad an Jesper (mit Tränen in den Augen) übergeben, der
es viele Jahre später wieder an die Kalkhoffschen
Fahrradsammlung zurück gab.

Einige Zeit war Kalle normaler Kunde bei Jesper, bis er ihn
1991 zum deutschen Importeur machte. Über die Jahre
wuchs die Freundschaft und im Laufe der Zeit wurden
einige Tausend Rahmen verkauft. Im Jahre 2003 war
Jesper gezwungen, seine Rahmenproduktion aufzugeben,
da er Gicht in den Händen bekam. Ein Rahmenbauer
wurde gesucht. Man wurde schliesslich in der
Tschechischen Republik fündig und beauftragte die
Rahmenschmiede „Fort Frames“ mit der Rahmenproduk-
tion. Seit 2003 kommen alle Pedersen Rahmen von Fort
Frames - und wir sind sehr zufrieden.

Im Laufe der letzten Jahre bestellten die Einzelhändler
immer weniger Pedersen Rahmen. Deshalb war eine
Veränderung unausweichlich. Jesper und Kalle taten sich
zusammen und kreierten das Pedersen T-Modell, was
sowohl an Händler als auch an Endverbraucher geliefert
werden sollte. Es sollte ein Volks-Pedersen werden,
ausgestattet mit guten, langlebigen und vernünftigen
Komponenten. Und da Mikael Pedersen im Jahre 1902 die
Dreigang-Nabenschaltung erfunden hatte (noch vor
Sturmey und Archer), sollte das T-Modell auch eine
Nabenschaltung bekommen.

Da Kalle seit über 20 Jahren die Ziele des VSF verfolgt,
war klar, dass es eine Möglichkeit zur Probefahrt geben
muss. So kamen wir auf die Idee der kostenlosen und
risikolosen Testfahrt, bei dem ein Test T-Modell nach Hause
zum Kunden kommt. Sicherlich wäre es besser beim
Fahrradhändler eine Probefahrt zu machen, doch welcher
Händler hat schon 8 Pedersens in unterschiedlichen
Rahmenhöhen im Laden? Jeder Kunde kann sich ein
Test T-Modell direkt bestellen, bzw. jeder Händler
kann sich ein Test T-Modell ohne Risiko für seinen
potentiellen Kunden zukommen lassen.


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